Kunstverlegerin

 

Bei einem meiner ersten Besuche in Paris fragte ich Le Corbusier: „Monsieur, il y as des jeunes architectes qui aimeraient acquérir une lithographie de vous. Où puis les trouver ?“ „Monsier mich fragen immer wieder junge Architekten, die gerne eine Lithografie von Ihnen kaufen möchten, wo kann ich eine solche finden ?“ Le Corbusier: „Il quelques des années j'en ai fait quelques unes qui ne se sont jamais vendues.“ „Vor Jahren habe ich schon ein paar gemacht, die wurden jedoch nie verkauft.“
„Monsieur, si on ne les expose pas, elles ne se vendent pas.“ „Wenn man sie nicht ausstellt, können sie auch nicht verkauft werden.“
Le Corbusier hörte mir sehr interessiert zu. Nach einer kurzen Stille stand er auf, ging mit seinem langsamen, schweren Schritt zu seinem kleinen Büro, nahm den Hörer ab. Ich lauschte seinem Gespräch.
„C'est vous Fernand, ici c'est Corbu.“ „Sind Sie es, Fernand? Hier Corbu.“ Le Corbusier weiter: “Fernand, j'ai ici une jeune fille de la Suisse, elle veut vous faire travailler.“ „Fernand, ich habe hier ein junges Mädchen aus der Schweiz. Diese möchte Sie beschäftigen.“ Le Corbusier: „Je veux vous la présenter, je vous invite demain pour le déjeuner chez le chinois à l'angle du Restaurant La Coupole.“ „Ich will Sie Ihnen vorstellen und lade Sie morgen zum Mittagessen ein, beim Chinesen an der Ecke, Restaurant Coupole.“
Le Corbusier lobte mich bei Mourlot als seriöse und tatkräftige Frau, und er solle doch mit seinen Grafiken in Zukunft mit mir arbeiten.
Noch bevor wir den Kaffee getrunken hatten, sagte ich zu Fernand Mourlot: „Puis-je venir maintenant avec vous à votre imprimerie ?“ „Kann ich jetzt mit Ihnen in Ihre Druckerei kommen?“ Le Corbusier und Mourlot waren überrascht, dass ich die Sache ohne Umschweife sofort anging. (Vermutlich hatten sie sich auf einen gemütlichen Nachmittag eingestellt.) Mourlot und ich entwickelten eine wunderbare Zusammenarbeit und produzierten einige tausend Blätter mit rund hundert unterschiedlichen Sujets von Le Corbusier.
Durch diese Arbeit entstand mein Kunstverlag und die Edition „Das grafische Werk von Le Corbusier“.
Fernand Mourlot war glücklich, weil ich eine gute Kundin von ihm wurde, und, wie er mir später einmal sagte, eine der wenigen, die immer postwendend seine Rechnungen bezahlte.
Der Keller meiner Studiogalerie „mezzanin“ füllte sich unaufhörlich mit riesigen Kisten mit dem Absender: „Imprimerie Mourlot Paris“. Das Risiko, dass sich die Originallithos nicht verkaufen, trug ich auch bei diesen Produktionen ganz alleine und konnte damit, mit viel Arbeit, mit Katalogen und 70 Verkaufsausstellungen zu den ernormen Kosten des Museumsbaus beitragen.
Le Corbusier hatte sich nie, auch nicht bei diesem Unterfangen, Gedanken darüber gemacht, wie ich dies alles allein schaffen würde.