Heidi Weber und die Wandteppiche
von Le Corbusier

Für die erste Verkaufsausstellung von Heidi Weber mit Werken von Le Corbusier in ihrem Studio Mezzanin im Februar 1959 stellte ihr Le Corbusier drei Ölbilder, zehn Aquarell-Pastelle und die zwei eindrücklichen Tapisserien „Les Musiciennes“ und „Les Mains“ zur Verfügung.

Heidi Weber war begeistert von den formen- und farbenreichen Wandteppichen. Sie erkannte sofort die Qualitäten von den beweglichen Wandbildern aus Wolle, denn sie teilte die fortschrittlichen Wohnideen Le Corbusiers.

Für die Vermittlung der Tapisserien brachte sie reife Erfahrungen aus ihrer vorangehenden Tätigkeit als Raumgestalterin mit. Trotz ihrer Weitsicht stellte der Verkauf der Tapisserien eine besondere Herausforderung dar, denn wegen der Größe und markanten Ausstrahlung der Arbeiten war es schwierig, Sammler zu finden. Es brauchte Mut zu Neuem.

Erschwerend kamen hohe Herstellungskosten und geringe Gewinnmargen für die Handanfertigungen aus Aubusson hinzu. Aus diesen Gründen waren die Verkäufe von Galerien in Paris rar.

Die Situation änderte sich, als Heidi Weber sich den Wandnomaden annahm.

Le Corbusier bat Heidi Weber um einen besonderen Einsatz für seine Tapisserien, deren Kreation ihm viel bedeutete. Heidi Weber erkannte, dass sich vor allem öffentliche Räume für die großformatigen Wandteppiche eigneten. Diese Räume boten zudem den Vorteil, dass die Werke einem breiteren Publikum gezeigt werden konnten, was für Heidi Weber ein dringliches Anliegen war. Kunst sollte nicht in Lagerhäusern vor sich hindämmern, sondern möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden.

Sie konnte während rund 20 Jahren insgesamt 36 Wandteppiche im privaten und öffentlichen Raum platzieren. Hilfreich beim Vermitteln der großformatigen Wandteppiche war Max Altdorfer, Direktor vom Amt für kulturelle Angelegenheiten der Eidgenossenschaft. Er schätzte die Genialität Le Corbusiers und die Begeisterungsfähigkeit Heidi Webers. Humorvoll meinte er, der Bund hätte genug graue Wände für Le Corbusiers monumentale Wandbilder. Zwölf Tapisserien gingen dank dieser Zusammenarbeit in den Besitz der Eidgenossenschaft über. Beispielsweise hängt heute die Tapisserie „Présence II / ou garder ton aile dans ma main“ im Eingangsbereich der Residenz der Schweizerischen Botschaft in London.

Heidi Weber war mutig, ihrer Zeit voraus, unkonventionell, zielstrebig und vor allem engagiert.

Mit ihrer Risikobereitschaft ließ sie viele der grossformatigen Teppiche und Motive auch ohne Verkaufsgarantie weben, denn ihre Überzeugung ging über rein wirtschaftliches Denken hinweg.

Dem gesamten Tapisserie-Werk widmete Heidi Weber Ausstellungen: 1962 im Kontext ihres Sudio Mezzanin mit „Mauernomaden“ und 1990 im Museum Heidi Weber mit „Le Corbusier – Wandnomaden“, wo die Wandbehänge im Rahmen des letzten Bauwerks von Le Corbusier ein Gesamtkunstwerk aus Stahl und Glas besonders eindrücklich wirkten.

Zudem ermöglichte sie Leihgaben der Tapisserien aus ihrer Sammlung für bedeutende museale Ausstellungen im In- und Ausland, zuletzt im Nationalmuseum Centro de Arte Reina Sofia 2007 in Madrid.

Aus Wertschätzung übertrug 1964 Le Corbusier für 30 Jahre Heidi Weber das alleinige Produktions- und Verkaufsrecht für die Tapisserien. Diese Anerkennung war eine große Genugtuung für Heidi Weber und bestätigte nochmals
wie sehr Le Corbusier ihr vertraute.